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matthäi 2.0

assembling & continuing history

- matthäikirchhof, leipzig

2nd Price in an open competition

- with fam architekten

stadt leipzig

MATTHÄI2

ERHALTEN GESTALTEN

Der Umgang mit dem Bestand wird mit der Auffassung eines nachhaltigen Städtebaus präzise geprüft. Die Umnutzung und Weiterentwicklung von erhaltenswertem Bestand stehen dabei an oberster Stelle.

 

Neben untergeordneten Kleinstgebäuden erzählt der Winkelbau von einer vergangenen Epoche der Stadt und hat städtebaulich-geschichtlich ebenso seine Berechtigung wie Strukturen aus vergangenen Jahrhunderten. Zudem speichert der Bau in seiner enormen Masse soviel Energie, dass wir in der heutigen Zeit die Pflicht haben, das bestehende Potenzial auszuschöpfen.

 

Für das neue Matthäikirchhof-Areal schlagen wir folgende Schritte vor:

 

1 Der Winkelbau soll saniert und um eine sich selbsttragende und umlaufende Nutzschicht ergänzt werden. Im neuen Gewand wird dieser Stadtbaustein im Quartier reaktiviert.

 

2 Der solitäre Archivneubau gliedert den Garten in zwei Bereiche – den Museumsgarten und das Forum der Bäume. Als neuer Ankerpunkt zoniert dieser den Matthäihof.

 

3 Im Norden bildet sich eine kleinteilige Blockrandstruktur und formt die alte Töpfergasse und die Große Fleischergasse in ihren historischen Kanten neu.

 

Zusammen mit qualitativ begrünten und differenzierten Außenräumen entsteht somit eine eklektische Komposition, die den Anforderungen aus vergangener geschichtlicher und zukünftig nachhaltiger Verantwortung gerecht wird.

Die neuen Freiräume des neuen Matthäikirchhofes entfalten sich als kuratierte Abfolge von privaten, halbprivaten, öffentlichen und städtischen Räumen. Diese multifunktionalen Räume fungieren als eine Art choreografierte Symphonie, die die Bewegungen der Nutzerinnen orchestriert und die Hauptachsen innerhalb des Quartiers betont. Darüber hinaus integrieren sie sich in das Geflecht des städtischen Freiraum- und Grün-Systems.

 

Folgende Prinzipien lenken das Projekt:

Freiraum als Prozess: Der diverse Gebäude- und Freiraumbestand bildet den Ausgangspunkt für eine strategische Herangehensweise in der Freiraumentwicklung durch prozessuale Eingriffe. Ein betreibergestützter Entwicklungsprozess wird eingeleitet, um die Vielfalt der Freiräume schrittweise zu gestalten, Verbindungen zu den umliegenden Stadträumen zu schaffen und bestehende Situationen aufzuwerten. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der konsequenten Entsiegelung des vorhandenen Bestands. Ein zirkuläres Materialmanagement wird implementiert, welches sämtliches anfallendes Abbruchmaterial vor Ort sammelt und in den Kreislauf reintegriert.

 

Freiraumtypologien:

Der Gestaltungsansatz entwickelt spezifische Freiräume für die verschiedenen Raumstrukturen. Basierend auf dem vorhandenen Bestand und den neuen Nutzungsanforderungen entstehen hybride Freiraumstrukturen, die nicht nur multifunktional nutzbar sind, sondern auch durch diverse Akteurinnen und Akteure vielseitig aneignungsbar werden.

 

Regen-Wasser: 

Anfallendes Regenwasser wird nicht nur konsequent vor Ort gesammelt, gehalten und lokal versickert, sondern dient auch als kreativer Impuls für die atmosphärische Gestaltung der verschiedenen Räume. Durch die Betonung verschiedener Wasserzustände entsteht eine lebendige, natürliche Dynamik, die die Freiräume sinnlich belebt.

 

Ökologie und Vegetationsmotive:

Das Projekt schlägt nicht nur eine breite Palette von Pflanzen vor, sondern erforscht auch experimentell Stadtvegetation. Dabei wird auf spontane und sukzessive Entwicklungen ebenso geachtet wie auf klimasensitive Anpassungen. Die Integration von Klimabäumen und die Schaffung von intimen und dichten Nischen dienen nicht nur der atmosphärisch-räumlichen Vielfalt, sondern auch der Bildung von Habitatstrukturen für eine Vielzahl nicht-menschlicher Bewohner der Stadt. Insgesamt entsteht so eine ökologisch vielfältige und nachhaltige Landschaft im urbanen Raum, die das Bewusstsein für die natürlichen Kreisläufe stärkt und die Biodiversität fördert.

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